|
 |
Retro Review von B. von Klitzing () | 01.06.2008
Lasst uns kurz den Namen dieses Titels auseinander nehmen. ToeJam & Earl sind in erster Linie die Namen der beiden Hauptdarsteller. Das funkige Alien-Duo stürzt mit ihrem Raumschiff ausgerechnet auf der Erde – einem der wohl gefährlichsten und abgedrehtesten Planeten – ab, was sie dazu zwingt, die zehn Einzelteile aufzuklauben. Earl ist durchaus ein geläufiger Name im englischsprachigen Raum. Was aber hat es mit ToeJam auf sich? Toe bedeutet Zeh und Jam steht für Marmelade…zusammengesetzt ist es allerdings der englische Terminus für etwas, das meines Wissens nach überhaupt kein deutsches Wort hat und zwar zu Recht: Die Schmutzablagerungen zwischen den Zehen! Wer das weiß, ahnt, dass Segas Werk nicht ganz normal sein kann.
Anders als Jahre später Captain Olimar (Pikmin), machen sich die beiden Außerirdischen ohne fremde Hilfe auf die Suche nach ihren verstreuten Raumschiffteilen. Die Reise führt über 24 aus einer recht hoch gelegenen Perspektive präsentierten Welten, die durch Fahrstühle miteinander verbunden sind. Fällt der Held in einen Abgrund, landet er einfach ein Level tiefer und muss nichts weiter tun, als den Lift nach oben wieder aufzusuchen, wobei die automatisch mitzeichnende Karte hilft. Die unerträglich langen Wartezeiten während der Fahrt, die scheinbar später noch die Designer von Resident Evil inspiriert haben, zehren dabei schnell an den Nerven. Generell spricht ToeJam & Earl weniger Fans rasanter Action an, als vielmehr geruhsame Naturen. Hauptaugenmerk liegt auf dem gründlichen Erkunden der teils recht großen Areale, während viele Feinde problemlos umgangen werden können, zumal Waffen selten sind.
Insgesamt übertreibt es Sega mit der Geruhsamkeit. Solange der Spieler keine Rennschuhe überstreift, schleichen ToeJam oder Earl quälend langsam daher. Items sind zwar zahlreich, aber geheimnisvoll eingepackt. Hier hilft nur mutiges Ausprobieren (was zu einem Ableben führen kann) oder der Gang zum alten Weisen im Möhrenkostüm, der gegen bare Münze aushilft. Die Umgebungen sind unglaublich monoton, dafür überzeugt das völlig überzogene Design der Gegner und Helfer: Jetpack fliegende Weihnachtsmänner? Check. Langbeinig herumstaksende Ärzte? Check. Mütter mit quengelnden Kindern im Einkaufswagen? Oh ja. Hinzu kommt ein fantastischer Soundtrack, der mit seinen funkigen, ruhigen Klängen perfekt zum Spielgefühl und dem allgemeinen Design passt. Für Wiederspielwert sorgt die Möglichkeit, bei jedem neuen Spiel die Levels zufällig designen zu lassen (was sie nicht vor Monotonie bewahrt) und insbesondere der Koop-Modus, der im Gegensatz zu anderen Titeln das Kernstück stellt. Im Titelmenü ist er sogar die Standardauswahl. Gemeinsame oder getrennte Erkundungstouren im Splitscreen werten das Erlebnis gehörig auf.
Fazit:
Einzelspieler langweilen sich schnell und werden nur noch ab und an mal ein Level entspannt angehen wollen, bevor sie wieder die Lust verlieren. Gesellige Spieler hingegen lehnen sich zurück, ergötzen sich an der ruhigen, fast schon meditativen Erfahrung und sprechen sich munter ab, wer wohin geht, welche Items benutzt und im Notfall dem Kumpel mit eigener Lebensenergie aushilft. Das Pendel bei diesem Action-Adventure schlägt deutlich in Richtung Adventure aus.
Von B. von Klitzing
|

© Copyright GameCube X / Nintendo Wii X 2001 - 2008 | All rights reserved
|
 |
|
Retro Review:
ToeJam & Earl
Hersteller
SEGA
Erscheinungsjahr
1991
Genre
Action / Adventure
Spieler
1-2
Nutzbare Controller
· Wii-Remote
· Classic Controller
· Gamecube Controller
|
|
|
|
 |


|