Retro Review von B. von Klitzing () | 14.04.2008
Wir schreiben das Jahr 1996, genauer gesagt sogar das Ende dieses Jahres. Das Nintendo 64 erscheint in Europa in weniger als drei Monaten, Amerikaner und Japaner genießen gar bereits die sensationelle Grafikpracht von 64 geballten Bit. Während der geduldsame Europäer zu dieser Zeit mit geraumer Verspätung gegenüber Japan endlich die SNES-Perlen Mega Man X3 und Terranigma in den Händlerregalen liegen sieht, schickt sich ein weiterer Schwanengesang an, Nintendos 16-Bit-Maschine ehrvoll zu Grabe zu tragen: Donkey Kong Country 3 erscheint weltweit erst, als das SNES praktisch tot ist, weswegen es nie ganz die Aufmerksamkeit bekam, die man angesichts seiner Vorgänger hätte erwarten dürfen. Die Bezeichnung „Letzter SNES-Titel“ verpasst es dennoch um knapp drei Jahre; Fire Emblem Thracia 776 beehrt das Gerät Anfang 2000.
Allzu viel hat sich seit DKC 2 nicht getan. Wozu auch? Wieder einmal strickte Rare ein mehr als gefälliges Jump ’n Run mit exzellenter Optik, riesigem Umfang, tadelloser Steuerung, massig Abwechslung und Leveldesign der Extraklasse. Da lässt sich auch das Aufwärmen der müden Geschichte des Vorgängers verschmerzen: Echsenkönig King K. Rool entführt Donkey und Diddy, was die taffe Blondine Dixie natürlich nicht einfach hinnehmen kann. So verbündet sie sich mit dem kräftigen Baby Kiddy Kong und macht sich auf den beschwerlichen Weg zu der fiesen Echse. Dieser Weg führt nun nicht mehr über starre Levelkarten, sondern teilweise auch über frei begehbare Oberwelten, auf denen sich angenehm viele Geheimnisse wie die Bananenvögel und Geheimwelten entdecken lassen oder Handel mit den Bärenbrüdern getrieben wird. Generell gibt es spielerisch kaum Neues entdecken, doch dafür umso mehr in der Motivationsabteilung, schließlich beherbergen Oberwelt und sämtliche Levels viel Stoff für ausgiebige Erkundungstouren.
Praktisch sämtliche Spielelemente der Vorgänger sind in ähnlicher Form erneut vertreten. Fässer werden geworfen, gerollt oder bestiegen, Reittiere geben zusätzliche Angriffskraft oder bieten andere Fähigkeiten, etwa die Spinne, die praktische Plattformen erscheinen lässt oder die Elefantendame, die Fässer per Rüssel aufsaugt. Die wahrscheinlich interessanteste Neuerung sind die zwei versteckten, höheren Schwierigkeitsgrade. Spieler, die ihren Namen mit HARDR oder TUFST angeben, erleben nicht nur ein härteres Spiel, sondern können auch anstelle der normalen maximalen 103% satte 104% bzw. 105% erspielen.
Fazit:
Shigeru Miyamoto zeigte sich von der DKC-Reihe nicht sonderlich beeindruckt, doch selbst dieser werte Mann kann wohl weder das ultimative Wissen, noch den perfekten Geschmack für sich beanspruchen. Dixie Kong’s Double Trouble bringt gekonnt eine großartige Serie auf dem SNES zu Ende. Kiddie Kong mag definitiv Geschmackssache sein (wobei er spielerisch zumindest mehr Abwechslung hineinbringt, als die Mischung zweier leichter Charaktere in DKC2), das normale Spiel ist stellenweise vor allem im Vergleich zu den Vorgängern zu einfach und im Prinzip ist es kaum mehr als neuer Levelnachschub für Fans der Serie, aber was macht das schon, wenn zwei weitere Schwierigkeitsgrade, zahllose Goodies, fantastische Grafik und gewohnt gutes Design locken?
Von B. von Klitzing
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