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Punch-Out!!
Review von Kamil Witecy (mail) | 30.05.2009

Wir schreiben das Jahr 1984. Nintendo veröffentlicht das Arcade-Boxspiel Punch-Out!!, welches sich trotz seines minimalistischen Prinzips schnell zu einem der beliebtesten Videospiele des Jahres entwickelt und bereits im folgenden Jahr einen direkten Arcade-Nachfolger sowie mit Arm Wrestling das erste und bislang einzige Spin-Off der Serie spendiert bekommt. Dabei bestand das Spiel im Prinzip aus lediglich sechs verschiedenen Kämpfen gegen im Comic-Look gebadete Boxer, die mit den drei Schlagmanövern "Linker Schlag", "Rechter Schlag" und "Aufwärtshaken (Uppercut)" bearbeitet werden mussten. Gesteuert wurde aus der Ego-Perspektive, wobei euer aufstrebender Boxer der Übersicht halber als grünes Drahtgittermodell dargestellt wurde, sodass die Gegner durch den Körper besser erkannt werden konnten. Mit zunehmender Popularität der Heimkonsolen erschien 1987 mit Punch-Out!!, zunächst unter dem Namen Mike Tyson's Punch-Out!! bekannt, ein halber Port der beiden Arcade-Ableger für das Nintendo Entertainment System und wurde gar drei Jahre später unter dem Titel Punch-Out!! Featuring Mr. Dream 1990 noch einmal neu in Nordamerika veröffentlicht. Aufgrund der technischen Limitierung der NES-Konsole konnte nicht auf das Konzept des halbtransparenten Boxers zurückgegriffen werden, sodass dessen Körpergröße im Vergleich zum Gegner kurzerhand einfach geschrumpft wurde, um einen guten Überblick zu gewährleisten. Zudem wurde der bislang namenlose Boxer auf den legendären Namen Little Mac getauft.

Mit Super Punch-Out!! erschien 1994 für das SNES der vorerst letzte offizielle Eintrag der Serie. Hierbei handelte es sich um die erste wirkliche Weiterentwicklung des Spielhallenklassikers, der zwar weiterhin auf sämtliche alten Tugenden des Klassikers zurückgriff, aber einen deutlich umfangreicheren Spielinhalt bot. Ebenfalls erwähnenswert ist die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt wieder auf das Konzept des transparenten Boxers zurückgegriffen und im Vergleich zur Urfassung vor allem optisch weiterentwickelt wurde.

Im Rahmen der hauseigenen Herbstkonferenz kündigte Nintendo im vergangenen Jahr einen Schwung neuer Spiele an. Unter diesen befand sich auch eine umjubelte Neuauflage eben dieses Klassikers PunchOut!!, die auf der Wii Gebrauch von den Fähigkeiten der verschiedenen Eingabeeinheiten machen soll. Für alle Wii-Spieler heißt es nun, 15 Jahre nach dem letzten Ableger: harte Bandagen anlegen!



Boxklassiker im modernen Gewand
Grundsätzlich haben die Entwickler von Next Level Games, die sich in der Vergangenheit schon mit den fußballerischen Aktivititäten von Mario & Co. (Mario Smash Football bzw. Mario Strikers Charged Football) unter Beweis gestellt haben, das Konzept der Urfassung nicht über den Haufen geworfen, um den Klassiker in die heutige Zeit zu verfrachten. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt, die bezeugt, dass die Entwickler selbst auch Fans der Serie sind.

Wie beim echten Boxen kommt es auch im neuen Punch-Out!! wieder darauf an, die Schwächen seines Gegners aufzuspüren, Angriffsmuster zu erkennen und die Deckung mit gut platzierten Geraden oder Haken zu durchbrechen. Antäuschen, wegducken, vorausdenken, mit feiner Beinarbeit um den Gegner herumtänzeln und schnelle Treffer landen – all das zeichnet Punch-Out!! aus und bildet auch diesmal den harten Kern des Boxspiels, das sich auch in der Wii-Fassung wie gehabt aus der Perspektive der dritten Person mit durchsichtigem Little Mac spielt. Die Schläge werden nicht bloß auf Knopfdruck ausgelöst, sondern finden statt, indem man die Bewegungen auch tatsächlich vor dem Fernseher ausführt. Jeder wagemutige und in den virtuellen Boxring springende Spieler erhält als Boxhandschuh-Äquivalent Wii-Remote und Nunchuk-Controller in die Hand gedrückt und kann die virtuellen Fäuste auf dem Bildschirm fliegen lassen. Die restlichen Aktionen wie Ausweichen und Blocken werden indes mit dem Control-Stick ausgeführt.

Wer noch stärker auf Bewegungen setzten möchte, kann dies ebenfalls tun, sofern er ein Wii Balance Board sein Eigen nennt. Natürlich kommt Nintendos modernes „Fitnessbrett“ für die Ausweichbewegungen zum Einsatz. Legt ihr euer Gewicht auf die Beine bzw. geht wirklich in die Hocke, duckt sich Little Mac, während ihr zum Ausweichen euren Körper nach links und rechts bewegt.
So gut dies bislang auch klingen mag, gibt es in der Praxis jedoch einige Störfaktoren. Da ihr beim Schlagen mit Wii-Remote und Nunchuk gleichzeitig einen Button für die jeweilige Schlagart (z.B. hoher Schlag) betätigen müsst, ist klar, dass eure Bewegungen nicht genau übertragen werden. Hier muss auf die fehlende Unterstützung von WiiMotion Plus hingewiesen werden, die dem aktiven Boxgefühl etwas an Dynamik nimmt und die Schläge zudem nicht immer akkurat registriert. Das Ausweichen mit dem Wii Balance Board funktioniert hingegen recht ordentlich, sofern man erst einmal das richtige Gefühl dafür bekommen hat. Jedoch ist diese Art zu spielen auf Dauer einfach etwas zu unausgereift und zu ermüdend, um den Gegnern in höheren Ebenen dauerhaft Paroli bieten zu können. Somit verkommt die gut gemeinte Bewegungssteuerung ein wenig zum netten Gimmick, das höchstens auf Partys oder mit Freunden zum Einsatz kommen wird.



Wer sich sowieso nicht so richtig mit der Bewegungssteuerung arrangieren kann oder will, kann glücklicherweise auch auf eine traditionelle Steuerung zurückgreifen, die sich letztendlich auch als empfehlenswerteste Variante für Punch-Out!! herausstellt. Hierfür stöpselt ihr einfach den Nunchuk aus und dreht eure Wii-Remote waagerecht, sodass ihr wie beim NES-Klassiker auf die altbewährte Retro-Steuerung zurückgreifen könnt. Genau wie anno 1987 schlagt ihr links und rechts mit dem 1- bzw. 2-Button zu, während ihr euch mit dem Digital-Kreuz für Hiebe in die Magengrube oder in Richtung Kopf entscheidet. Um feindlichen Attacken auszuweichen, vollführt ihr ebenfalls mit dem Steuerkreuz Seitwärtsschritte (links, rechts), duckt euch (unten) oder blockt die Schläge ab (oben). Diese schlichte Steuerung funktioniert in der Praxis richtig gut, auch wenn der ein oder andere sich vielleicht über das etwas zu schwammige Steuerkreuz ärgern wird, welches dem Spielspaß aber definitiv keinen Abbruch tut. Lediglich euer Daumen könnte nach langen Spielesessions anfangen zu glühen – doch gerade in diesem Punkt sollten zumindest Veteranen schon abgehärtet sein. Im Gegensatz zur Bewegungssteuerung ist die Retro-Steuerung unter dem Strich einfach besser auf das schnelle Gameplay des Spiels ausgelegt, sodass diese Steuerungsvariante für Profis wohl die einzig Wahl sein wird, um sich an die richtig großen Gegner zu wagen.

Was hingegen ein wenig stört, ist die Tatsache, dass selbst mit dem traditionellen Kontrollschema im Menü mit dem Pointer navigiert werden muss, was zwar einwandfrei funktioniert, durch den Haltungswechsel hin und wieder aber ein wenig umständlich ist. Ebenfalls völlig unverständlich: Die ehemals angekündigte Unterstützung des Classic Controllers wurde kurzerhand wegrationalisiert. Dies ist angesichts der sehr guten NES-Style-Steuerung zu verkraften, wäre aber durch das bessere Steuerkreuz womöglich die beste Alternative gewesen.

Knallender Fall auf die Bretter – Knockout!
Im Karriere-Modus schlüpft ihr wie im NES- und SNES-Pendant in die Rolle von Little Mac, einem jungen, aufstrebenden Boxer, der mit viel Glaube und Willenskraft zum Weltmeister aufsteigen möchte. Ebenfalls wieder mit von der Partie ist Trainer Louis, der euch mit witzigen Kommentaren in den Ringpausen berieselt und euch in den kultigen Trainingsfilmchen zwischen den Turnieren zu Höchstleistungen antreibt. Nicht mit dabei ist hingegen Mario, der angesichts seiner vielfältigen anderen Verpflichtungen den Job als Ringrichter an den Nagel gehängt hat.

Auf dem Weg zur Weltspitze müsst ihr euch mit eurem zunächst schmächtig wirkenden Jungspund durch drei Ligen hindurchboxen und es mit 13 Box-Schwergewichten (plus einem Bonus-Boxer) aufnehmen, die zwischen euch und dem angestrebten Weltmeistergürtel stehen. So werden Veteranen auf alte Bekannte aus den klassischen Punch-Out!!-Titeln treffen, darunter Von Kaiser, King Hippo, Glass Joe oder Bear Hugger, die alle mit ihren markanten Merkmalen der neuen Zeit angepasst wurden. Dennoch muss natürlich an dieser Stelle kritisch erwähnt werden, dass diese im Vergleich zu anderen Spielen eher geringe Anzahl an Gegnern nicht gerade zum Jubeln veranlasst. Somit ist schon alleine deshalb klar, dass es Punch-Out!! in punkto Umfang nicht ansatzweise mit einem Spielepaket wie Super Smash Bros. Brawl aufnehmen kann.

Im Ring angekommen, ist das kluge Taktieren unausweichlich. Denn nur wenn intelligent geboxt wird und gute Treffer gelandet werden, erhaltet ihr einen von bis zu drei möglichen Sternen. Diese sind von Nöten, um einen besonders starken Uppercut-Spezialangriff zu starten. Je mehr Sterne Little Mac sammelt, desto wuchtiger wird der Schlag. Diese zusätzliche Schlagkraft ist nicht selten spielentscheidend und kann dafür sorgen, dass ihr euren Gegner schnell auf die Bretter schickt. Insgesamt solltet ihr dabei aber stets die Ausdauer- und Herzanzeige von euch und eurem Opponenten im Auge behalten. Little Mac kann grundsätzlich immer zuschlagen, wenn er mindestens noch ein Herz zur Verfügung hat. Werdet ihr vom Gegner getroffen oder kann dieser eure Schläge abwehren, verliert ihr Herzen. Kommt es zur Nullnummer ist euer Boxer zu erschöpft, um zuzuschlagen und ihr müsst zunächst ein geschicktes Ausweichmanöver schaffen oder nach einem Niederschlag wieder aufstehen, um neue Lebenskraft zu erhalten.

Auf der anderen Seite steht die Ausdauer, die bei eingesteckten Treffern oder Fehlschlägen abnimmt. Habt ihr keine Ausdauer mehr, geht Little Mac zu Boden und wird angezählt. Steht er anschließend innerhalb von zehn Sekunden wieder auf, erhält er einen Teil seiner Ausdauer zurück und der Kampf wird fortgesetzt. Steht er nicht mehr auf, kommt es zum Knockout. Insgesamt geht jeder Kampf über drei Runden zu je drei Minuten, wobei es noch zu einem technischen Knockout kommen kann, wenn ein Boxer dreimal in der Runde zu Boden geht. Ist die Zeit der dritten Runde abgelaufen, gibt der Ringrichter den Gewinner nach Punkten bekannt.



Reaktionen par Excellence
Ein elementarer Faktor, der in Punch-Out!! über Sieg und Niederlage entscheidet, ist euer Timing. Wollt ihr einen Kampf überstehen, geht es neben gezielten Faustschlägen, dem Einprägen von Angriffsmustern und einem bestimmten Kampfrhythmus, vor allem um eure geistige Schnelligkeit. Für das Blocken und Ausweichen sind blitzschnelle Reaktionen gefragt, wenn ihr nicht selbst schnell auf der Matte liegen wollt. Damit orientiert sich das Gameplay stark am NES-Klassiker, der mehr auf schnelle Reaktionen setzte als die neuere SNES-Variante, in der das Auswendiglernen der verschiedenen Schlagmuster und das entsprechende Auskontern im Vordergrund standen. Wirkliche spielerische Änderungen sind im direkten Vergleich insgesamt nur marginal vorhanden, etwa im Bereich der leicht erweiterten Treffermöglichkeiten beim Gegner und der größeren Angriffspalette der Widersacher. Als Ausgleich für das hohe Spieltempo könnt ihr im Gegenzug viel mehr Schläge einstecken als bei den Vorgängern, was gerade für Neulinge enorm wichtig sein sollte.

Startet man nach einem erfolgreichen Griff zum Weltmeistergürtel den Karriere-Modus ein weiteres Mal um den Titel zu verteidigen, tretet ihr als Champion nochmals gegen dieselben Gegner an, die nun aber wesentlich stärker sind. Durch ihr langwieriges Training können sie ihre Attacken nun variieren und verfügen sogar über gänzlich neue Angriffe, die neue Strategien zum Knacken der Deckung erfordern. Diese Veränderungen kurbeln das Gameplay noch einmal merklich an und zeigen deutlich, wie viel Spieltiefe wirklich in Nintendos Box-Franchise stecken. Auf der anderen Seite führt dies dazu, dass der ohnehin schon nicht zu verachtende Schwierigkeitsgrad von Punch-Out!! noch einmal richtig anzieht. Das könnte dazu führen, dass sich gerade Neulinge mit fortschreitendem Spielverlauf das ein oder andere Mal gefrustet vorkommen und am liebsten ihre Wii-Remote durch die Gegend werfen würden. Der Schwierigkeitsgrad von Punch-Out!! ist definitiv knackig – anderseits aber nie unfair. Lässt man sich genügend auf das Spiel ein, verbessert die Reflexe, studiert die jeweiligen Schlagkombinationen der Gegner und weiß zudem, dass die zahlreichen Soundsamples der Gegner (z.B. "I'll show you") jeweilige Schläge ankündigen, ist der Weg zur Box-Weltspitze für jedermann möglich. Somit bietet das Spiel für Fans der Serie insgesamt genügend Herausforderungen, ohne dabei Nintendos aktueller Geschäftsstrategie im Weg zu stehen und unüberwindbare Einstiegsbarrieren zu schaffen, was auch schon an der Möglichkeit der Körpersteuerung zu erkennen ist.

Little Mac vs. Little Mac
Ein weiterer willkommener Bonus ist neben dem dritten und letzten Anlauf im Karriere-Modus der Schaukampf-Modus. Hier erhaltet ihr pro Gegner drei Herausforderungsziele, die ihr in Einzelkämpfen angehen könnt. So muss zum Beispiel ein Gegner mit einer bestimmten Anzahl von Schlägen zum Knockout gebracht werden oder man macht es sich zur ambitionierten Aufgabe, den Gegner ohne einen einzigen kassierten Treffer die Matte küssen zu lassen. Sollte ein Gegner einmal größere Probleme bereiten, gibt es zudem die Möglichkeit, gegen ein Trainings-Hologramm anzutreten und zu üben. Sind die drei Herausforderungen für einen Boxer abgehakt, werden dadurch einige Goodies wie zum Beispiel dessen Audiobibliothek freigeschaltet. So weiß der Modus durch seine oft alles andere als leichten Zielsetzungen wirklich zu motivieren, sorgt für eine zusätzliche Portion Spaß und Herausforderung und hat darüber hinaus auch einen netten Umfang, da auch gegen die stärkeren Box-Updates aus dem Champion-Modus angetreten werden muss. Daher wird euch so trotz der geringen Kämpferanzahl noch ein enormer Mehrwert geboten, ehe ihr euch final auf die Highscorejagd begeben und damit protzen könnt, wie schnell ihr einen Gegner zu Boden gelegt habt. Eine Online-Highscoreliste wird man hingegen vergeblich suchen.



Völliges Neuland betritt die Punch-Out!!-Serie zudem mit einem Zweispieler-Modus, bei dem Freunde im geteilten Splitscreen gemeinsam die Fäuste fliegen lassen können. Doch die Ernüchterung kommt recht schnell: Beide Spieler müssen gezwungenermaßen mit Little Mac (und einem farblich veränderten Klon) in den Ring steigen, was dem Kampf schon von Anfang an eine gehörige Portion Würze nimmt. Es ist wirklich unverständlich, warum man nicht wenigstens in diesem Modus auch in die Rolle der anderen Kämpfer schlüpfen und deren Spezial-Schläge anwenden kann. Um den Modus doch noch etwas interessanter zu gestalten, haben die Entwickler ihn um eine Gameplay-Neuerung erweitert. Durch geschickt platzierte Treffer und geblockte Angriffe steigt die so genannte „Giga Mac-Kraft“ des Spielers an. Sobald diese einen bestimmten Wert erreicht hat, verwandelt ihr euch in Giga Mac, einer größeren, fieseren und mit enormen Muskelbergen bepackten Version von Little Mac, in dessen Körper ihr zusätzliche Schlagkraft erhaltet. Richtig retten kann dies den Modus aber leider nicht. Darüber hinaus kann im Multiplayer nur offline und nicht via Wi-Fi-Connection mit Gegnern aus aller Welt um die Wette geboxt werden. Hier wurde also eine Menge Potential verschenkt, sodass dem Zweispieler-Modus schon nach kurzer Zeit die Luft ausgeht und er höchstens noch als Party-Belustigung mit der Bewegungssteuerung verwendet wird.

Geschmeidige Comic-Technik
Schon beim ersten Spielstart von Punch-Out!! dürften Kenner der Serie angesichts der neu arrangierten Titelmelodie zum Schwelgen in alten Erinnerungen angeregt werden, die dem testenden Spielredakteur ein unfassbar breites Grinsen ins Gesicht gezaubert hat, welches beim dann folgenden Spielverlauf auch nicht mehr zurückgegangen ist. Die restlichen hauptsächlich neu aufgelegten Tracks der Klassiker tun ihr Übriges und unterstreichen den Spielverlauf mit ihren rockigen Tönen in einer überzeugenden Art und Weise, sodass man sich immer wieder beim Mitsummen einiger Melodien erwischen wird.
Schon 1984 konnte Punch-Out!! damit punkten, dass es bereits über eine Sprachausgabe verfügte. Und auch im Wii-Ableger ist diese ein großer Pluspunkt. Die schön in Szene gesetzten und musikalisch genial untermalten Cutscenes sowie der gut balancierte Humor, der sich durch das ganze Spiel zieht, sorgen für eine tolle Stimmung. Dies fängt bei der in ihrer Muttersprache belassenen und tadellos umgesetzten Sprachausgabe der einzelnen Kämpfer an und geht bis hin zu den flotten Trainersprüchen von Doc Louis. Ein wenig schade ist dabei nur, dass es für die vielen Sprüche in anderen Sprachen als Englisch weiterhin keine zusätzliche Textübersetzung gibt. Alte Hasen werden zudem das ein oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht, wenn einige Anspielungen mit Anlehnungen an die NES-Version ("Join Nintendo Fun ... erm Nintendo Club today“) gemacht werden.

In diese Reihe kann sich auch die grafische Aufmachung von Punch-Out!! fast nahtlos einreihen. Mit einem richtig gut umgesetzten Cel-Shading-Comic-Look und mit viel Liebe zum Detail versehene Boxern ist das Box-Urgestein in der Neuzeit angekommen. Das beginnt bereits mit einem kurzen Intro-Filmchen, in dem die Kämpfer völlig überzeichnet vorgestellt werden und zum Dauergrinsen einladen. Darüber hinaus können vor allem die hervorragenden Animationen der Boxer überzeugen, die das Gesamtbild des neuesten Projektes aus dem Hause Next Level Games positiv abrunden, obwohl auch dieser Titel Nintendos weißes Schmuckstück längst nicht an seine Grenzen stoßen lässt. Erwähnt seien an dieser Stelle zum Beispiel die eher unspektakulären Boxarenen, die sich kaum voneinander unterscheiden. Dafür läuft die Grafik stets butterweich mit 60Hz und wahlweise in 480p über euren Bildschirm und kann zudem noch mit frech in Szene gesetzten Schlageffekten punkten. Somit haben die Entwickler es geschafft, Punch-Out!! auch technisch in die neue Zeit zu hieven, ohne dabei auch nur ein Stück des alten Charmes auf der Strecke liegen zu lassen.

Fazit:
Operation geglückt! Die Jungs und Mädels aus dem Hause Next Level Games haben es mit einer in der Form nicht zu erwartenden Leichtigkeit geschafft, die richtigen Aspekte des Klassikers aufzugreifen und in die heutige Zeit zu transportieren, ohne dabei den Charme der Serie zu zerschießen. Der stets durchschimmernde Nostalgie-Faktor, das packende Gameplay, die gute Technik, die tolle Spielbarkeit und die großartige Lernkurve zeigen eindrucksvoll, dass manche Spielkonzepte nie ausgedient haben. Zwar ist die etwas gering ausgefallene Kämpferanzahl sowie die eher als Gimmick zu betrachtende Körpersteuerung schade, die fehlende Unterstützung des Classic Controllers ärgerlich und das verschenkte Potential im Bereich Multiplayer und Online-Modi ein Jammer, dennoch haben wir es hier mit einem echten Hit zu tun, der vor allem auch Nintendos langjährige „Vielspieler“ positiv stimmen wird. Daher ist meine Empfehlung sehr einfach: PunchOut!! in die Wii einlegen und wieder das Gefühl von damals neu erleben!

Von Kamil Witecy
Wertung für das Spiel Punch-Out!!
Wertungen Beschreibung
8.4Grafik
Ein gelungener Comic-Look mit netten Effekten, viel Liebe zum Detail und ebenso genialen wie herzigen Animationen der Boxer, die den Charme der Serie im neuen Licht erstrahlen lassen. Dennoch bringt auch diese Optik die Wii nicht zum Dampfen.
9.0Sound
Tolle neu arrangierte Tracks der Vorgänger mit rockigen Untertönen, die das Gameplay charmant untermalen. Zudem eine tolle Umsetzung der Sprachausgabe und feine Schlageffekte.
8.7Steuerung
Während die Ganzkörpersteuerung mit Wii-Remote, Nunchuk und Wii-Balance Board auf Dauer eher bloß ein Gimmick ist, kann die traditionelle Retro-Steuerung mit dem alten Minimalismus überzeugen, auch wenn sicherlich nicht wenige den gestrichenen Classic Controller-Support vermissen werden.
8.7Gameplay
Zwar wurde im Vergleich zu den Vorgängern spielerisch nur wenig geändert, dennoch kann Punch-Out!! auch heute mit seinem schnellen Gameplay, seiner famosen Spielbarkeit, dem packenden Schwierigkeitsgrad und einer tollen Lernkurve begeistern, die höchstens ein wenig durch den etwas gestreckten Umfang gehemmt wird.
8.8Gesamt
(Kein Durchschnitt der Einzelwertungen)



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