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Mario Party 9
Review von Mark Schäfer (mail) | 25.03.2012

Prinzessinnen retten, Kart fahren, Tennis, Baseball und Fußball spielen. Es gibt kaum eine Beschäftigung, die der pummelige Klempner noch nicht ausprobiert hat. Mal ist er platt wie ein Blatt Papier, mal kugelrund wie eine Flipperkugel, mal nur Ringrichter beim Boxen. Mal schwingt er den Golfschläger, mal das Tanzbein oder spielt Basketball. Und wenn zwischen all diesem Gerangel noch ein wenig Zeit bleibt, dann nimmt er auch noch bei den Olympischen Spielen teil. Die Rede ist natürlich von Super Mario. Kein anderes Maskottchen kann wohl von sich behaupten, in so vielen Genres Fuß gefasst und dabei auch noch Erfolg gehabt zu haben. Kein Wunder also, dass Mario auch mal abschalten muss, und zwar mit einer gigantischen Party!

Mario Party ist schon lange ein immer wiederkehrender Millionenseller. Seine Siegesserie begann die Reihe im Jahr 1998 auf dem Nintendo 64 und war seitdem nahezu jährlich ein Garant für Spielspaß mit Freunden. Jahr für Jahr gab es eine neue Version mit neuen Minispielen und neuen Features, bis die Entwicklung nach dem 8. Teil im Jahr 2007 plötzlich stillstand. Zu wenige Innovationen, zu wenige neue Ideen und immer wieder eine nur leicht veränderte, erweiterte und mit neuen Minispielen ausgestattete Version des Vorgängers schien auch Nintendo auf Dauer nicht genug gewesen zu sein. Fünf Jahre hat es daher gedauert, bis es endlich Zeit für den 9. Teil des Partyspiels war, der frischen Wind in die Segel bringen soll. Aber hat man das wirklich geschafft?

Alle in einem Boot
Auf den ersten Blick hat sich bei Mario Party 9 im Vergleich zu den vorherigen Titeln nicht viel geändert. Noch immer spielt man auf einem recht klassisch gehaltenen Spielbrett, würfelt Runde für Runde und spielt das ein oder andere Minispiel. Auf den zweiten Blick fällt einem aber auf: Mario Party 9 ist anders! Klar, das Grundgerüst mit Minispielen, Spielbrettern und Würfeln ist gleichgeblieben, ein System, das wohl auch in den nächsten neun Mario Party-Teilen nicht verworfen werden wird. Aber vieles, was man an den bisherigen Teilen liebte oder hasste, wurde verändert oder musste neuen Funktionen weichen. Supersterne, Münzen, und selbst das separate Herumlaufen auf dem Spielfeld: gestrichen. Stattdessen fahren jetzt alle Spieler gemeinsam über das Spielbrett, ohne den anderen auch nur ein Feld von der Seite zu weichen, was wohl besonders Fans der Reihe sauer aufstoßen könnte.

Um mit Freunden aber erstmal in den Genuss des vollen Spiels zu kommen, muss man sich alleine durch den Einzelspielermodus schlagen, denn nur so kann man die 7 verschiedenen Spielbretter freischalten. Wie erwartet haben sich die Jungs von NDCube, die nach Hudsons Ausstieg für die Reihe verantwortlich zeichnen, dafür eine mehr oder weniger spannende Story ausgedacht. Dabei ist es wohl nicht zu viel verraten, wenn man sagt, dass Bowser mal wieder an allem Übel Schuld ist. Um seine Macht zu vergrößern, hat er sich den teuflischen Plan ausgedacht, die Ministerne vom Himmel zu saugen, und Mario und seine Freunde haben es sich zur Aufgabe gemacht, sie zurückzugewinnen. Ministerne ist hier schon ein gutes Stichwort, denn während man in vorherigen Mario Partys auf der Suche nach Münzen war, die gegen Sterne getauscht werden konnten, sind im Neuner die Ministerne das einzig Wahre. Sie liegen auf den Spielbrettern, man gewinnt sie in Minispielen oder in Bosskämpfen.

Vor Beginn eines Spiels wird wie üblich die Reihenfolge festgelegt, in der die Mitspieler am Zug sind. Das geschieht wie bisher durch einen einfachen Würfelwurf. Was dann aber passiert, ist neu: Statt nacheinander zu würfeln und entsprechend viele Felder auf dem Spielbrett zu laufen, hüpft euer Charakter zusammen mit den anderen drei auf ein kleines Gefährt, welches sie bis zum Ende auch nicht mehr verlassen. Das heißt, dass alle Spieler immer an der gleichen Stelle des Spielbretts sind. Wird eine 1 gewürfelt, so wandern also alle vier Spieler ein Feld nach vorne. Das sorgt zwar für einen etwas schnelleren Spielablauf, verhindert aber z.B. auch, dass die Spieler verschiedene Wege auf dem Spielbrett einschlagen. Trifft man also mal auf eine Weggabelung, so entscheidet meist nur der sogenannte Spielführer, das ist der Spieler, der gerade gewürfelt hat, in welche Richtung es geht.

Eine Minispielsammlung ohne Minispielfokus?
Die nächste große Änderung wird einem auffallen, sobald die erste Spielrunde vorüber ist, alle vier Spieler gewürfelt haben, aber kein Minispiel gespielt wird. Zwar gibt es sie natürlich noch immer, doch werden sie nicht wie früher nach jeder Runde gespielt, sondern nur durch bestimmte Ereignisse ausgelöst. Die Regel wird dabei sein, dass das Gefährt der Spieler auf einem Minispiel-Feld stehen bleibt und der aktuelle Spielführer dann aus drei Minispielen wählen darf. Wie zuvor gibt es dabei natürlich wieder „jeder gegen jeden“, „3 gegen 1“ und Team-Minispiele, in denen man Ministerne gewinnen kann. Aber es gibt noch viele weitere Feldarten. Auf einem Weiter-Feld darf man zum Beispiel ein zweites Mal würfeln, auf einem Ereignis-Feld öffnet sich meist eine alternative Route und auf einem Glücksfeld hat man die Chance, Ministerne zu gewinnen. Diese ersetzen wie bereits erwähnt die bekannten Münzen und großen Sterne und daher ist es das oberste Ziel, möglichst viele von ihnen zu sammeln.

Dabei spielen die Minispiele jedoch leider keine so große Rolle mehr. Zwar erhält man als Gewinner jedes Mal fünf Ministerne, doch da diese auch in großen Mengen auf dem Spielbrett verteilt liegen, in 3er-, 5er- oder gar 10er-Packs, kann man zwei verlorene Minispiele mit etwas Glück schon im nächsten Zug wieder ausgleichen, denn natürlich erhält nur der jeweilige Spielführer die Ministerne, die unterwegs von der Gruppe gesammelt werden. So häufen sich die Ministerne mit der Zeit immer weiter an, bis man an Stellen des Spiels kommt, an denen man gerne etwas fluchen möchte.

Es würde ja auch keinen Spaß machen, würden sich die Ministerne immer nur weiter anhäufen. Um das etwas auszugleichen, gibt es im Spiel ein paar Tücken. Zum einen liegen neben den normalen Ministernen auch Unglückssterne auf dem Weg zum Ziel, welche dem Spielführer eine entsprechende Anzahl an Sternen rauben. Zum anderen lösen manche Spielfelder bestimmte Aktionen aus. Am Blooper-Strand wird man beispielsweise von einem Hai verfolgt, der pro Spielzug vier Felder vorrückt. Holt er die Party-Truppe in ihrem Gefährt ein, verliert der Spielführer die Hälfte seiner Ministerne. In der Bob-Omb-Fabrik sorgen Bob-Ombs für den gleichen Effekt. Landet eine von ihnen auf der Rückbank, so bleiben den Spielern zehn Felder, bis sie hochgeht. Das führt dazu, dass man manche Spielbretter mit mehr als 100, andere aber mit gerade mal 20 Ministernen beendet. So sehr man sich im Einzelspielermodus auch über solche Situation aufregt, so groß ist doch die Schadenfreude im Multiplayer, wenn man dem Verlust seiner teuren Ministerne nur um Haaresbreite entgeht. Denn mit ein wenig Taktik und etwas Glück kann man dafür sorgen, dass erst der nächste Spieler seine kostbaren Sterne opfern muss.

 

Dafür sind verschiedene Würfel recht nützlich, denn neben dem Standardwürfel kann man auf Aktionsfeldern besondere Würfel erhalten, etwa einen 4, 5, 6-Würfel, um im nächsten Zug mind. 4 Felder vorrücken zu können, einen extrem langsamen Würfel, um genau bestimmen zu können, was man würfelt, oder ein 10er-Würfel, um eine Zahl zwischen 1 und 10 zu würfeln. Durch geschicktes Einsetzen dieser Würfel, von denen man gleichzeitig zwei Stück tragen kann, kann man z.B. genügend Abstand zum bereits erwähnten Hai halten oder dafür sorgen, dass der Bob-Omb erst beim nächsten Spieler explodiert. Weitere Items, wie sie etwa im 8. Mario Party-Teil mit den Bon-Bons vorhanden waren, gibt es jedoch leider nicht.

Eine weitere Kürzung trifft Mario Party 9 in Form der Spielzeit. Während man in vorherigen Teilen noch wählen konnte, wie viele Spielrunden man gerne mit seinen Freunden spielen möchte, fällt eine solche Auswahl nun komplett weg. Stattdessen gibt es auf den Brettern nun einen festen Start- und Zielpunkt, auf den man sich zwangsläufig zubewegt, was je nach Spielbrett rund 45 bis 90 Minuten dauern kann. Ziel einer jeden Partie ist es nämlich, zwei Bossgegner zu besiegen, die auf der Hälfte und am Endpunkt auf die Spieler warten. Dabei treten alle vier Mitspieler gemeinsam zum Kampf an, um Bowsers Schergen auszuschalten. Im Kampf gegen die Raupe Wiggler muss man bspw. Stampfattacken auf seinem Körper machen. Die einzelnen Spieler spielen dabei aber trotzdem noch gegeneinander, da jeder seinen eigenen Punktescore hat, der am Ende entscheidet, wie viele Ministerne man erhält.

Andere Party-Schauplätze
Aber auch wenn man nicht alles am neuen Teil des Party-Spiels gutheißen möchte: Der Kern, nämlich die Minispiele, sind zum Großteil sehr gelungen. Egal ob man Gemüse erntet, Kugeln auf einem Teller balanciert, Wände hochklettert, in einem Labyrinth Mitspieler fängt, Pizza belegt, Schneemobil fährt oder Gumbas zählt. Die Spiele machen Spaß, und das ist viel wert. Zum Spielen benötigt jeder Spieler auch hier wieder nur eine Wii-Remote, deren Funktionen in den Minispielen auch rege zum Einsatz kommen. Egal ob man mit dem Pointer Farbe an eine Wand feuert, mit dem Steuerkreuz herunterfallenden Steinen ausweicht oder durch Neigen der Fernbedienung lenkt, alle Möglichkeiten werden sinnvoll genutzt, wodurch eine gute Mischung aus Minispielen zustande kommt.

Wer sich die Lauferei auf den Spielbrettern aber sparen möchte, kann sich auch direkt in die Minispiele stürzen. Denn auch ein reiner Minispiel-Modus ist natürlich wieder vorhanden. Dort kann man sich dann ganz gezielt die Spiele raussuchen, die man mit seinen Freunden spielen möchte, oder Highscores knacken. Damit das nicht zu langweilig wird, gibt es auch hier verschiedene Spielvarianten. Im Kletterkampf stehen beispielsweise alle Spieler auf einer Treppe und nur der Gewinner eines Minispiels darf eine Stufe hochgehen. Gewonnen hat dann der Spieler, der zuerst das Treppenende erreicht. In einer anderen Variante entscheidet der Ausgang eines Minispiels darüber, in welcher Reihenfolge die Spieler einen Garten bepflanzen dürfen, wobei der Spieler, dessen Garten zuerst vollständig bepflanzt ist, das Spiel gewinnt.

Etwas umfangreicher sind dagegen die Extraspiele, die im Hauptmenü gleich einen eigenen Menüpunkt erhalten haben. Vier verschiedene stehen hier zur Auswahl, so kann etwa das aus Wii Sports beliebte Bowling in einer Mario Party-Version spielen. Statt Bowling-Kugel kommen hier Schildkrötenpanzer zum Einsatz und statt Kegeln laufen Gumbas über die Bahn und warten darauf, erwischt zu werden. Puzzlefans werden sich dagegen über Kugelpuzzle freuen. In Tetrismanier fallen dabei jeweils in Dreierpacks bunte Kugeln vom oberen Bildschirmrand und müssen am Boden so verbunden werden, dass mindestens sechs gleichfarbige aneinanderliegen. Was in den ersten Level noch leicht ist, wird mit der Zeit immer schwieriger - und ehe man sich versieht, sitzt man wieder seit einer Stunde vor dem Fernseher. In diesen Extra-Spielen lassen sich zudem sogenannte Party-Punkte sammeln, die man in Extras wie Musik, neue Gefährte für den Party-Modus oder das 7. Spielbrett tauschen kann. Wer eine größere Herausforderung sucht, findet im Shop auch einen neuen Schwierigkeitsgrad für CPU-Gegner sowie die Rekorde der Entwickler.

Großes Lob muss man den Entwicklern auch für die Technik und die grafische Gestaltung des Spiels aussprechen. Denn endlich geht auch Mario Party mit der Zeit und bietet neben richtigem 16:9 in 480p auch einen 60 Hz-Modus. Auch die Spielbretter sind sehr liebevoll gestaltet und mit netten Details gespickt. So findet sich die Truppe mal an einem Sandstrand wieder, mal in einer Bob-Omb-Fabrik, und sogar ein Vulkan ist dabei, dessen Lavapegel stetig ansteigt und der droht, die Spieler zu verbrühen. Passend dazu gibt es auch in Mario Party 9 wieder typische Mario-Musik, welche sich gut an die Themen der einzelnen Spielbretter anpasst. So hört man in der Magma-Mine stets die heiße Lava, die einem immer gefährlich nahe kommt und im Hintergrund brodelt und in Buu Huus Horrorburg fühlt man sich schon allein aufgrund der stimmigen Musik von Geistern verfolgt.

Fazit:
Eines muss man Mario Party 9 lassen: Frischen Wind bringt es in der Tat! Ob man in diesem Wind aber auch etwas Madiges wahrnimmt, liegt ganz im Auge (bzw. in der Nase) des Betrachters. Manch einer wird es wohl gar nicht mögen, dass man nun gemeinsam über das Spielfeld läuft und nicht mehr allein. Auch dass Minispiele nicht mehr so häufig, nämlich nach jeder Runde, gespielt werden, verursacht leichte Kopfschmerzen, denn schließlich sind die Minispiele ja das Hauptelement einer Mario Party. An ihrer Qualität liegt das nicht, denn fast alle Minispiele sind sehr gelungen, weshalb man sich durchaus fragen kann, weshalb man deren Vorkommen im Party-Modus nicht sogar noch erhöht hat. Trotz dieser Macken ist Mario Party 9 noch immer ein recht ordentliches Spiel, das sich wohl auch aufgrund des neuen Entwicklers von seinen Vorgängern abhebt. Fans der vorherigen Teile sollten daher wohl lieber erstmal probespielen, ehe sie sich für den Kauf entscheiden.

Von Mark Schäfer
Wertung für das Spiel Mario Party 9
Wertungen Beschreibung
8.0Grafik
Knallbunt und farbenfroh wie eh und je. Endlich auch inklusive 16:9 und 480p. Das bislang schönste Mario Party!
7.8Sound
Stimmige Hintergrund-Musik, die sich gut an die verschiedenen Themen der Spielbretter anpasst.
8.2Steuerung
Grundsolide. Die Funktionen der Wii-Remote werden gut und sinnvoll genutzt. Alle Spiele gehen flott von der Hand und auch aufgesetzte Bewegungssteuerung sucht man hier vergebens.
7.3Gameplay
Das Spiel bietet 80 neue, rundum gelungene Minispiele, die wirklich Spaß machen. Leider stehen dem einige Kritikpunkte im Party-Modus entgegen. Dass nicht mehr jeder für sich auf die Reise gehen darf, ist einer davon.
7.5Gesamt
(Kein Durchschnitt der Einzelwertungen)



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